Denis Diderot. Aufklärer, Schriftsteller, Philosoph.

Denis Diderot. Aufklärer, Schriftsteller, Philosoph.

Denis Diderot (geb. 5. Oktober 1713 in Langres, gest. 31. Juli 1784 in Paris), der Unbekannte? Der maßgebliche Herausgeber und wichtige Autor der berühmten »Encyclopédie« sah sich als öffentlicher Denker, der sich gesellschaftlich einzubringen habe. Er trat gegen den Fundamentalismus religiöser Fanatiker auf, verurteilte Despotismus und setzte sich für Dissidenten ein.

Verglichen mit seinem internationalen Renommee und seiner wissenschaftlichen Leistung ist Diderot in Österreich kein großes Thema. Um das zu ändern, fand anlässlich seines 300. Geburtstags ein interdisziplinäres Symposium an der Karl-Franzens-Universität Graz statt. Dort entstand die Idee, dass die dort Vortragenden WissenschaftlerInnen gemeinsam einen Sammelband verfassen sollten, der von den Organisatoren des Symposiums herausgegeben wird. Der vorliegende Sammelband ist das Ergebnis dieser Arbeiten und Überlegungen.

Versehen mit einer Einleitung der Herausgeber wollen die Beiträge einen Einblick in Diderots breits Wirken und umfangreiches Schaffen geben.

Denis Diderot. Aufklärer, Schriftsteller, Philosoph.
Herausgegeben von Thomas Knapp und Christopher Pieberl.
12,5 x 20,5 cm | Broschur
187 Seiten | € 24,80
ISBN 978-3-85409-742-6

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Inhalt

Karl Acham
Naturrecht und Moral. Zu den Grundlagen von Diderots Sozialphilosophie
Acham behandelt die Grundlagen von Diderots Sozialphilosophie behandelt. Der Beitrag eignet sich auch besonders zum Einstieg, vom Begriff der Aufklärung beginnend wird in die Moralphilosophie Diderots eingeführt.

Simone Zurbuchen
Zerbrochene Freundschaft: Diderot gegen Rousseau über Philosophie und Patronage
Zurbuchen behandelt Diderots enge Freundschaft mit Jean-Jacques Rousseau, die schlussendlich zerbrach und in eine erbitterte Feindschaft mündete.

Udo Thiel
Materialismus und Subjektivität bei Diderot
Thiel beschäftigt sich mit den Begriffen des Materialismus und der Subjektivät, die Anlass für viele Debatten liefert(e) und auch bei Diderot eine zentrale Rolle einnahmen.

Simone De Angelis
»er lebt quasi nur noch durch seinen Kopf« Diderots Ethos der Anerkennung in seiner Beziehung zu d’Alembert und was das mit der Aufklärung zu tun hat.
De Angelis schreibt über die Beziehung zwischen Denis Diderot und dem Mitherausgeber der Encyclopédie, d’Alembert, und die Umstände seines Ausscheidens. Eine zentrale Rolle dabei spielte der Ethos der Freundschaft und der Anerkennung sowie unter anderem die politische Dimension des wichtigen Werkes.

Hans-Jürgen Lüsebrink
Diderot als historischer Denker. Zum Verhältnis von Geschichtsphilosophie, literarischer Fiktion und intellektuellem Engagement in seinem Spätwerk.
Lüsebrink stellt Diderot als historischen Denker in den Fokus seiner Überlegungen und beleuchtet sowohl die materialistische Anthropologie und das materialistische Geschichtsverständnis bei Diderots.

Klaus-Dieter Ertler
Notwendigkeit und Kontingenz im Erzählsystem von Diderots Jacques le Fataliste et son Maître
Ertler bringt die Schrift Jacques le Fataliste et son Maître mit den aktuellen Diskussionen rund um erzählter und nichterzählter Wirklichkeit in Verbindung.

AutorInnen

Karl Acham, Dr.phil., Dr.h.c. (Doctor of Letters) der University of Waterloo, Ontario; geb. 1939, Studium der Philosophie, Geschichte u. Germanistik, Habilitation 1971 im Fach Philosophie in Graz, hier von 1974 bis 2008 ordentlicher Professor für Soziologie; zwei Auslandsrufe (Bern 1974, Bochum 1977), Gastprofessuren u.a. in Deutschland, Kanada, China, Brasilien, Japan u. der Schweiz. – Acham ist wirkl. Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geschichts- und Sozialphilosophie, Geschichte und Theorie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Kultursoziologie und Weltanschauungsanalyse.

Publikationen (Auswahl): Analytische Geschichtsphilosophie (1974); Philosophie der Sozialwissenschaften (1983); Geschichte und Sozialtheorie (1995); (Hg.) Geschichte der österr. Humanwissenschaften, 6 Bde. (1999–2006).

Simone De Angelis, geboren 1965, ist seit 2011 Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Er studierte unter anderem Philosophie, Klassische Philologie und Wissenschaftsgeschichte in Zürich und Bern. Seine Dissertation verfasste er über Albrecht von Haller. Forschungsaufenthalte führten De Angelis unter anderem an das University College London und die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. 2008 habilitierte er sich an der Universität Bern.

Die Forschungsschwerpunkte von Simone De Angelis liegen in der Wissenschafts- und Medizingeschichte der Renaissance, der Frühen Neuzeit und des 18. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung epistemologischer und methodologischer Fragestellungen (Probleme visueller Wahrnehmung, Autopsie und Autorität, Vertrauen, Darstellungsformen wissenschaftlichen Wissens, Konzepte des wissenschaftlichen Ethos und des Habitus des Forschers, Rolle der Hypothesen in der empirisch-experimentellen Forschung etc.). Ergänzt werden diese Aspekte durch die Erforschung der Geschichte der Anthropologie und der ›Wissenschaften des Lebens‹ seit der Frühen Neuzeit. Darüber hinaus werden auf einer Metaebene des Faches auch Fragen und Probleme der Wissenschaftsgeschichtsschreibung erforscht sowie die neuere internationale und interdisziplinäre Debatte über die Wissenschaftsreflexion verfolgt und analysiert.

Klaus-Dieter Ertler ist Universitätsprofessor am Institut für Romanistik der Universität Graz. Seine Forschungsgebiete beziehen sich auf das Verhältnis von Presse und Literatur, die Gattung der Moralischen Wochenschriften (»Spectators«), die Jesuitenberichte in Nord- und Südamerika sowie auf den frankokanadischen Roman.

Neuere Publikationen: (Ed.): Die Spectators in der Romania – eine transkulturelle Gattung? (Frankfurt am Main: Peter Lang 2011); (Ed. mit Alexis Lévrier und Elisabeth Hobisch): Regards sur les ›spectateurs‹. Periodical
Essay – Feuilles volantes – Moralische Wochenschriften – Fogli moralistici – Prensa moral (Frankfurt am Main: Peter Lang 2012). – (Ed. mit Alexandra Fuchs, Michaela Fischer und Elisabeth Hobisch): Moral Weeklies – The Spectators. Digitale Edition der Spectators in der Romania (http://gams.uni-graz.at/mws), 2010–2013.

Hans-Jürgen Lüsebrink, geb. 1952, 1979–88 Wiss.- Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, 1988–93 Professor an der Universität Passau, Promotion in Deutschland (Romanistik) und Frankreich (Geschichtswiss.), Habilitation in Romanistik an der Uni Bayreuth. Seit 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation an der Universität Saarbrücken, 1998–2004 Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs »Interkulturelle Kommunikation in kulturwissenschaftlicher Perspektive«. Leiter des trinationalen Master-Studiengangs »Grenzüberschreitende Kommunikation und Kooperation« (Saarbrücken, Metz, Luxemburg).
Gastprofessuren in Frankreich (EHESS, EPHE, Limoges), USA (UCLA, Northwestern University), Kanada
(Montréal, Moncton, Québec) sowie in Österreich, Dänemark, Kamerun, dem Senegal und Burkina Faso.

Auszeichnungen: Diefenbaker-Preisträger des Conseil des Arts du Canada; Officier dans l’Ordre des Palmes Académiques (Frankreich).

Forschungs- und Publikationsschwerpunkte: Literatur- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts; transkulturelle Prozesse (Übersetzung, Kulurtransfer, Dialogizität) in transkultureller Perspektive; Theorie der Interkulturellen Kommunikation;

Udo Thiel ist seit 2009 Professor für Geschichte der Philosophie an der Universität Graz und Leiter des Instituts für Philosophie. Seine Foschungsgebiete umfassen die Geschichte der Erkenntnistheorie, Metaphysik, Philosophie des Geistes und der Ästhetik der Frühen Neuzeit.

Publikationen (Auswahl): Lockes Theorien der Personalen Identität (Bonn: Bouvier 1983); John Locke (Reinbek/Hamburg: Rowohlt 1990); John Locke: Essay über den menschlichen Verstand. (Berlin: Akademie
Verlag (Klassiker auslegen 6) 1997); Philosophical Writings of Thomas Cooper, 3 vols. (Bristol: Thoemmes 2001);
The Early Modern Subject. Self-Consciousness and Personal Identity from Descartes to Hume. (Oxford: Oxford University Press 2011).

Simone Zurbuchen Pittlik ist Professorin für moderne und zeitgenössische Philosophie an der Universität Lausanne. Ihre Forschungsgebiete sind die Geschichte der politischen Philosophie (17./18. Jahrhundert), die Philosophie der Aufklärung sowie die zeitgenössische politische Philosophie.

Publikationen (Auswahl): Patriotismus und Kosmopolitismus. Die Schweizer Aufklärung zwischen Tradition und Moderne (Zürich: Chronos 2003), Republicanism and Toleration», in: Republicanism. A Shared European Heritage, hg. von M. van Gelderen und Q. Skinner, Bd. 2 (Cambridge 2002), S. 47–71; Kapitel »Religion and Society«, in: The Cambridge History of Eighteenth Century Philosophy, hg. von K. Haakonssen, Bd. 2 (Cambridge 2006), S. 779–813; »Ist Lockes politische Philosophie ›sexistisch‹ und ›rassistisch‹? Formen der Herrschaft im häuslichen Verband der Familie«, in: John Locke: Zwei Abhandlungen über die Regierung, hg. von B. Ludwig und M. Rehm (Berlin 2012), S. 17–34.